8. Januar 2022

Chinas Wirtschaft unter Druck

Foto: Adam Schultz, Public domain, via Wikimedia Commons

US-Präsident Joe Biden zeigt sich bei Sanktionen kompromisslos

Gut zwei Jahre sind vergangen seit der damalige US-Präsident Trump mit Wirtschaftssanktionen gegen China durchzog. Inzwischen schwächelt der Konsum im Reich der Mitte, die Immobilienkrise breitet sich weiter aus und es drohen neue Sanktionen durch die USA. So will die US-Regierung im neuen Jahr 2022 die Sanktionen gegen den führenden chinesischen Chiphersteller Semiconductor Manufacturing International (SMIC) verschärfen. Die Aktie brach daraufhin um 6% ein. US-Präsident Biden macht Ernst – und hält den Kurs seines Vorgängers Trump.

Wegen Menschenrechtsverletzungen gegen die uigurische Minderheit in China sollen weitere acht chinesische Unternehmen aus dem militärisch-industriellen Komplex mit Sanktionen abgestraft werden. Amerikanischen Investoren wird dabei untersagt, bei diesen Unternehmen auf dieser „schwarzen Liste“ zu investieren. Auch in den Immobilienmarkt kommt keine Ruhe: Seit Monaten kriselt es hier gewaltig, nachdem führende Immobilienentwickler Liquiditätsprobleme bekommen hatten.

Erbitterter Handelskrieg seit eineinhalb Jahren

Ursache und Wirkung: Auf die damalige Aktion der USA, die Sonderabgaben in Höhe von 200 Milliarden Dollar auf Importe aus China festlegte, folgt postwendend die Reaktion der Strategen aus Peking im eskalierenden Handelsstreit. Ab 1. Juni 2020 galten auf Produkte der USA, die nach China eingeführt werden, höhere Zölle im Gesamtwert von ca. 60 Milliarden Dollar. China erhoffte sich mit der eher moderaten Antwort auf „amerikanischen Unilaterismus und Handelsprotektionismus“ einen Impuls zur Rückkehr einer beidseitigen wirtschaftlichen Zusammenarbeit.

Auf Twitter gab der damalige US-Präsident Trump den Chinesen in Person von Präsident Xi Jinping die Schuld für den ausgebrochenen Handelsstreit und machte Peking für den geplatzten Deal, der kurz vor Abschluss stand, verantwortlich.

In den vorhergehenden 10 Jahren wuchsen die Einfuhren chinesischer Güter in die Vereinigten Staaten um gut 20 Milliarden Dollar p.a., von 339,6 in 2008 auf 540,3 Milliarden in 2018. Umgekehrt ergab sich bei Ausfuhren der USA nach China in Höhe von 121 Milliarden Dollar in 2018 ein Defizit von gut 420 Milliarden. Die USA mussten handeln!

Achterbahnfahrt der Alibaba-Aktie

Von der sich anbahnenden Eskalation hatte die Alibaba-Aktie eine dicke Schramme bekommen. Der Kurs sank von über 200 auf dann nur noch 130 Dollar, hatte dann aber fast schon wieder die alte Bestmarke nach dem erst in 2014 umgesetzten Börsengang erreicht und sich in Sachen Marktkapitalisierung den Titel der wertvollsten Marke Chinas erstmalig gesichert. Dabei, so sind sich viele Börsenexperten einig, steckt noch viel Luft nach oben im Aktienkurs, denn der E-Commerce-Gigant startet gerade erst die Expansion über Asien hinaus und ist beispielsweise in Deutschland noch gleichermaßen inaktiv wie unbekannt. Insofern glänzt Ali Baba real – ist alles andere als die 270-te Geschichte aus Tausendundeine Nacht, wovon der Name hergeleitet ist. Mit gut 260 Euro feierte die Alibaba Group Ende Oktober 2020 ihr Allzeit-Hoch. Aktuell liegt der Aktienkurs bei ca. 112 Euro. Das Unternehmen wurde bereits 1999 gegründet, ist heute die größte IT-Firmengruppe Chinas und hat seinen Sitz in Hangzhou. Der Umsatz ist beziffert auf ca. 40 Milliarden Dollar. Mitarbeiter: ca. 66.500.

Im Schatten des Handelskriegs hatte der Online-Händler aus China sein Visier auf Amazon ausgerichtet. Schon damals gewährleistete die Online-Verkaufsplattform AliExpress, dass chinesische Waren in rund 150 Länder verkauft werden können. Mit dem Ausbau der Strategie von Alibaba-Chef Jack Ma griff AliExpress dann Amazon direkt an, denn – für zunächst ausgewählte Länder – galt: Waren entsprechender Unternehmen, meist Mittelständler, können hier eingestellt und im eigenen Länder-Kosmos, also innerhalb der Alibaba-Infrastruktur, angeboten und verkauft werden. Umgekehrt hatte Amazon in den von Alibaba dominierten Märkten so gut wie keine Chance, die bestehende Plattform-Präsenz unter dem Marken-Label wurde nach 15 Jahren aufgegeben.

Die Vision von der Globalität seines E-Commerce

Mehrheitsaktionär des Vorzeige-Online-Händlers aus der Volksrepublik ist die einheimische SoftBank. Auch die Suchmaschine Yahoo ist mit aktuell noch ca. 20 Prozent beteiligt. Der Aufstieg zum E-Commerce-Giganten war für Alibaba ein steiniger Weg. Pionier Ma hatte die Vision von der Globalität seiner Geschäftsidee. Er ist immer noch beseelt von seiner einzigartigen Idee und aktiv im Job. Alibaba ist auch am Profi-Fußball interessiert und beteiligt: Anfang Juli 2014 kaufte das Unternehmen 50% der Anteile am Guangzhou Evergrande Football Club, einem führenden Verein in Chinas erster Liga. Bekannteste Spieler waren der Brasilianer Paulinho, immerhin Nationalspieler, seine Landsleute Talisca und Ricardo Goulart sowie Englands Ex-U20-Nationalspieler Tyias Browning.

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