3. Januar 2022

Daimler reitet auf dem roten Drachen

Bei der Filmpremiere von „The Matrix Resurrections“ am 18. Dezember in San Francisco inszenierte Mercedes-Benz seinen „G 550“. (Foto: Pressefoto Mercedes-Benz AG)

Staatsfreundliche chinesische Investoren halten 20% der Anteile am Stuttgarter Autobauer

Die Pressemitteilung von Daimler zur intensivierten Zusammenarbeit mit chinesischen Partnern wurde an Heiligabend von Juan Zhou, der Leiterin Unternehmenskommunikation China, herausgegeben. Allerdings nur in englischer Sprache, inhaltlich etwas verklausuliert… Zusammengefasst und mit Background lautet die Botschaft: Der chinesische Markt ist für alle Automobilhersteller der weltweit lukrativste. Aber ohne „Morgengaben“ oder Joint Ventures läuft in der staatlich kontrollierten Wirtschaft gar nichts! Deshalb produziert Daimler beispielsweise seinen „Smart“ komplett in China, setzt noch stärker auf strategische Beteiligungen...

Parallel und mit großem PR-Tam-Tam promotete der Autobauer kreativ seinen Mercedes-Benz G 550 im Rahmen eines Sponsorings mit Warner Bros. Man könnte meinen: Der mediale Aufwand bei der Zusammenarbeit mit Village Roadshow Pictures und Venus Castina Productions war erheblich höher als die fast beiläufige Verkündung von neuen Inhaberkonstellationen bei der Daimler AG.

Der Kult-Geländewagen von Mercedes als integrativer Bestandteil von „The Matrix Resurrections“. Der Start des Blockbusters in den USA war am 22. Dezember. (Foto: Pressefoto Mercedes-Benz AG)

Dass Unternehmer Li Shufu, Gründer des chinesischen Automobilkonzerns Geely, mit einem Aktienanteil von 9,7% an der Daimler AG das vermeintlich größte Aktiendepot hält, war kein Geheimnis. Mit der jetzt erfolgten Umstrukturierung der Daimler AG in die Mercedes-Benz AG und die Daimler Truck AG wurde allerdings bekannt, dass der Beijing Automotive Group Ltd. (BAIC) seit 2019 exakt 9,98% der Unternehmensanteile von Daimler gehören. In Summa halten die beiden chinesischen Investoren Geely und die BAIC – im Markt knallharte Wettbewerber – gut 20%. Das gilt auch für die „neuen“ Gesellschaften Mercedes-Benz AG und Daimler Truck AG. Vice versa beteiligt sich Daimler mit 9,55 % an einer Tochtergesellschaft von BAIC sowie mit 2,46% an der in Shanghai börsennotierten BAIC BluePark. Die BAIC-Gruppe zählt zu den fünf größten Automotive-Unternehmen in China. Hauptaktionär des staatlich kontrollierten Unternehmens mit ca. 100.000 Beschäftigten ist die Stadt Peking. Die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Daimler besteht seit 2005. Im Rahmen des Joint Ventures Beijing Benz Automotive Company (BBAC) werden pro Jahr für den chinesischen Markt ca. 430.000 Autos gefertigt. Auch für die Produktion von LKWs und Transportern sind zwei Joint Ventures im Markt aktiv.

Strategische Allianzen in China sichern die Zukunft von Daimler-Absatzmärkten

Liu Shufu ist Vollblutunternehmer: Noch vor seiner Beteiligung bei Daimler kaufte er 2010 von der Ford Motor Company die Auto-Traditionsmarke Volvo. Der Preis: vergleichsweise günstige 1,8 Mrd. Euro für die damals erfolglosen Schweden. Weltweit hat der Geely-Konzern 2020 2,1 Mio. Fahrzeuge verkauft. Dabei erzielter Umsatz: 92,1 Mrd. Euro, Gewinn: 5,6 Mrd. Euro.

Der Einfluss Chinas auf den Stuttgarter Autobauer ist deshalb gewaltig: So lässt sich auch erklären, dass ein Daimler-Werk in Brasilien komplett an die chinesische Great Wall Motor Co Ltd verkauft wurde, ohne dass die Belegschaft Arbeitsplatzgarantien erhielt. Der Daimler als strategischer Steigbügelhalter der Weltwirtschaftsinteressen von China!

Aber Daimler profitiert von diesen strategischen Allianzen: Denn chinesische Unternehmen sind bei Batterien-Technologien und autonomen Fahren perspektivisch weltweit führend. Darüber hinaus sichert man sich im größten Automobilmarkt der Welt sicher Absätze.

Weiteres Beispiel gefällig? Auf öffentlichen Druck musste die Premium-Automobilmarke Mercedes einen bereits geschalteten TV-Spot wegen Sexismus in China aus dem Verkehr ziehen.

Mehr zum Shitstorm gegen Mercedes: siehe unser Beitrag in der Rubrik Medien

Trotz Corona-Krise und Chipmangel klingeln in Stuttgart die Kassen. Allein von April bis Juni 2021 konnte die Daimler AG ein Konzernergebnis von 3,7 Mrd. Euro ausweisen. Laut Vorstandschef Ola Källenius werde der Absatz von Fahrzeugen der Marke Mercedes-Benz die Vorjahreswerte allerdings nicht übertreffen. Bei Vans und Nutzfahrzeugen werde man die Umsätze aber deutlich steigern können.

Verdoppelung des globalen Konzernumsatzes in zehn Jahren

2020 konnte die Daimler AG einen Konzernumsatz von 154,3 Mrd. Euro verbuchen, der weltweit von gut 290.000 MitarbeiterInnen erwirtschaftet wurde. Der Anteil von Mercedes-Benz Cars & Vans hatte dabei einen Anteil von 98,6 Mrd. Euro. Dabei betrug der Konzern-Bilanzgewinn knapp über 4 Mrd. Euro. Zum Vergleich: Konkurrent BMW erwirtschaftete in 2020 einen Umsatz von ca. 99 Mrd. Euro, Tesla gut 31,5 Mrd. Euro. Von 2010 bis 2020 konnte Mercedes-Benz seinen globalen Umsatz nahezu verdoppeln. China ist dabei zum wichtigsten – weil lukrativsten – Markt geworden.

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