10. Dezember 2020

Digitaler Euro für Europa?

Foto von vectorfusionart | adobestock.com - Digitaler Euro wird Experten zufolge zukünftig Bargeld-Alternative.

Mögliche regulierte europäische Kryptowährung derzeit durch EZB geprüft

Mobile Payment ist bereits seit Jahren auf dem Vormarsch. Das omnipräsente Handy hat eine Evolution zum mobilen Computer vollzogen und damit hat auch das digitale Bezahlen einen gewaltigen Boom erfahren. Die Wallet ersetzt und komplementiert die physische Geldbörse zunehmend. 2019 wurden der Europäischen Zentralbank zufolge im Währungsraum der 19 EU-Staaten mit Mobile Payment 98 Milliarden Zahlungen im Gesamtwert von 162 Billionen Euro umgesetzt, rund 8,1 % mehr als noch im Vorjahr.

Die Corona-Pandemie mit den einhergehenden Schutzmaßnahmen hat dem digitalen Bezahlen zusätzliche Schubkraft verliehen, da kontaktloses Bezahlen nach Dafürhalten von Experten das mögliche Kontaminationsrisiko von Bargeld eliminiert. Und auch die EZB will mit diesem Trend mitziehen: Christine Lagarde, Präsidentin der EZB, lässt gerade die Möglichkeit eines digitalen Euro prüfen.

Gerede um den Euro gab es in letzter Zeit zu Hauf, dabei mitunter Plausibles, aber auch viel Abstruses im Stil der Verschwörungstheorien der Corona-Leugner.  Wie beispielsweise das Verschwörungsszenario von einer „Plan-demie“, die einzig dem Zweck diene, die globale Wirtschaft zu schwächen und darauffolgend unter der Regie von Bill Gates eine Finanzkrise zu inszenieren. Im Zuge dessen soll dem Euro der Garaus gemacht werden, um eine neue Weltwährung aufzusetzen, die in eine neue Weltordnung mündet – natürlich gesteuert von den Rothschilds und deren Komplizen…

Ob die EZB-Präsidentin diesen Strömungen entgegenwirken will? Vielleicht. Ihre Haltung zur digitalen Währung ist jedoch unmissverständlich einer kürzlich veröffentlichten Medieninformation der EZB zu entnehmen. Demnach bezahlen, sparen und investieren immer mehr Menschen in Europa zunehmend auf elektronischem Weg. So sei es die Aufgabe der EZB, das Vertrauen in die gemeinsame Währung zu sichern. „Deshalb“, so Lagarde, „müssen wir dafür sorgen, dass der Euro für das digitale Zeitalter gerüstet ist.“ Eher abwägend fährt sie fort: „Wir sollten darauf vorbereitet sein, einen digitalen Euro einzuführen, sollte dies erforderlich sein.“

Der digitalen Euro ist vergleichbar mit einer Art Bitcoin. Im Gegensatz zu dieser führenden Kryptowährung wäre der Euro allerdings reguliert und unter der Aufsicht der EZB. Blockchain-basierte Währungen beruhen auf einem Ineinandergreifen von Datenblöcken, die jede Transaktion via Protokoll festhalten. Kritiker sehen in dieser Finanzmarkt-Strategie das Bestreben der Politik, die Bürger Europas länderübergreifend noch transparenter zu machen. Denn mit einem digitalen Geldverkehr unter staatlicher Aufsicht werden auch Schwarzgeldzahlungen oder die Vergütungen aus dubiosen Geschäften vollumfänglich nachvollziehbar. Neben dem Bargeld würde ein digitaler Euro gleichwertig positioniert werden.

Die EZB möchte die fortschreitende Digitalisierung in allen Lebensbereichen mit digitalem Geld begleiten. Ein digitaler Euro soll sicherstellen, dass Bürger der Eurozone Zugang haben zu einer einfachen, allgemein akzeptierten und sicheren Zahlungsart. Auch für Verbraucher würden sich erhebliche Vorteile ergeben: Der digitale Geldtransfer von Smartphone zu Smartphone mittels App würde Überweisungen beschleunigen und die hohen Gebühren der Banken minimieren.

Primärer Beweggrund der EZB scheint aber zu sein, dass man die Wirksamkeit der eigenen Geldpolitik erhalten möchte. Immer mehr Kryptowährungen etablieren sich gerade als Alternativen zum konventionellen Bezahlsystem – ohne dass die Finanzpolitik Einfluss nehmen kann. Die Zeit drängt, denn neben dem Libra-Projekt von Facebook testet China bereits die digitale Variante seiner Währung Renminbi.

Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) befürwortet die EZB-Aktivität grundsätzlich. Andreas Krautscheid, BdB-Hauptgeschäftsführer sieht im digitalen Euro „ein Zukunftsthema mit höchster Bedeutung für die Sicherheit und Stabilität der europäischen Finanzmärkte“. Allerdings „müssten Banken eine zentrale Rolle spielen“. Seine Haltung ist nachvollziehbar, denn Mobile Payment in der nächsten Ausbaustufe kann theoretisch auf die etablierten Banken verzichten, die – wenn sie die durch den Wandel erforderlichen Veränderungen nicht bald umsetzen –  gerade im Begriff sind, ihr über hundert Jahre gewachsenes Geschäftsmodell zu verlieren.

BusinessNews365.de berichtet über aktuelle Themen rund um den Wirtschaftsstandort Deutschland. Immer im Blick: Europa und die Globalisierung! Mit News, Reportagen, Interviews und Videobeiträgen aus den Bereichen Finanzen, Lifestyle, Sport, Medien & Wirtschaft.

crossmenu