8. Januar 2022

Eishockey im Wettbewerb mit Basketball und Handball

Foto: Löwen Frankfurt

Visionäre Arena-Projekte in München und Frankfurt

König Fußball regiert mehr denn je die Welt und Deutschland in Sachen Publikumsgunst. Die Big Player wie Real Madrid oder FC Liverpool sind hier globale Marken mit einem Wert von mehreren Milliarden Euro! Dahinter streiten sich drei heimische Sportarten und Ligen: Die Deutsche Eishockey Liga (DEL), die Basketball Bundesliga (BBL) und die Handball-Bundesliga (HBL). Diese Ligen haben in den vergangenen Jahren ihre Hausaufgaben gemacht, sie haben sich durchweg professionalisiert und entwickeln sich unter sportlichen Gesichtspunkten und wirtschaftlich weiterhin positiv. Die BBL profitiert vom Lifestyle-Image der amerikanischen NBA, die auch nach Deutschland abstrahlt und von der Affinität des Sports bei Jugendlichen und der Bildungselite. Zudem wirkte das Faible von Bayern-Präsident Uli Hoeneß für den Basketball wie ein Turbo. Denn wenn die Bayern etwas möchten, dann kriegen sie es auch.

Ähnlich wie die Fußball-Konkurrenten FC Barcelona, Real Madrid oder Paris St Germain baut sich der FC Bayern eine zweite, sehr dynamische Sport-Teilmarke auf. Im Kontext der globalen Vermarktung des deutschen Rekordmeisters, die sehr stark auf Social Media setzt und einen wichtigen Ankerpunkt in den USA hat, sicher keine schlechte strategische Entscheidung.

Was dem nationalen Basketball mit dem „German Wunderkind“ im Ruhestand, Dirk Nowitzki, fehlt, ist ein internationaler Erfolg der deutschen Nationalmannschaft. Im Handball, wo sich die erste Liga zu Recht als die stärkste Liga der Welt positioniert, lassen die großen internationalen Erfolge weiterhin auf sich warten. Wie im Eishockey gilt auch für den Basketball: Die Traditionsclubs, die im vergangenen Jahrtausend Titel ohne Ende feierten, meist in der Provinz beheimatet, verschwinden langsam von der Bildfläche der Wahrnehmung. Die Unterfranken aus Großwallstadt und die Bergischen vom VfL Gummersbach haben über Dekaden den heimischen Spitzenhandball geprägt, gewannen unzählige deutsche Meisterschaften, Europapokale und stellten das Gros an Spielern der Nationalmannschaft. Noch schlimmer hat es die Traditionsclubs im Eishockey getroffen: Hier prägten über 40 Jahre die Teams aus Landshut, Kaufbeuren, Riessersee, Rosenheim, Füssen und Bad Tölz das Bild von Eishockey-Deutschland. Und heute? In der DEL spielt der Brauseclub aus München mit dem intelligent angelegten Geld von Investor Dietrich Mateschitz und dann gibt es noch die stolzen Underdogs aus dem niederbayerischen Straubing, wo ohne verdecktes Mäzenatentum auch nichts laufen würde.

SAP Garden eines der spannenden Arena-Projekte im Eishockey
Foto: Visualisierung SAP Garden (3XN Architects & MIR)

Das deutsche Eishockey mausert sich

Aber es bewegt sich was im Eishockey: Einerseits lebte „Team Deutschland“ als wilde Bande seinen Traum, jüngst im Jahr 2018, wo man unerwartet bis ins olympische Finale von Pyeongchang marschierte und sich nur den russischen Sputniks beugen musste. Andererseits zeigt ein Blick in die sportlich bedeutendste und wirtschaftlich stärkste Liga der Welt, die nordamerikanische NHL, dass „Made in Germany“ sehr geschätzt wird. Denn mit Dennis Seidenberg und Leon Draisaitl spielen zwei deutsche Top-Stars der Liga in Philadelphia und im kanadischen Edmonton, wo bei den ortsansässigen Oilers einst auch der legendärste Kufenflitzer der Welt, Superstar Wayne Gretzky, die Massen begeisterte und in den 80er-Jahren des vergangenen Jahrtausends viermal zum Stanley Cup-Sieger der Meisterschaft, machte.

Wenig Einnahmen durch TV-Gelder erschweren Finanzierung der Kader

Aber zurück nach Deutschland: Dass man mit Profi-Eishockeysport Geld verdienen kann, ist ein Trugschluss, den einige Clubs in der Vergangenheit bitter bezahlen mussten. So erging es 2018 auch wieder mal dem SC Riessersee aus Garmisch, dessen Investor rosarote Träume hatte. Geld für die Finanzierung der Teams in der ersten und zweiten Liga zu bekommen ist schwierig. Auch die Bluechips wie die Düsseldorfer EG, die Berliner Eisbären oder die Kölner Haie müssen um jeden Sponsor, um jedes verkaufte Ticket kämpfen! Oft helfen die Kommunen indirekt – mit günstigen Hallenmieten, kommunalen Tochtergesellschaften als Sponsoren. Immerhin 5,3 Millionen Euro kostet durchschnittlich ein DEL-Team in einer Saison. Die TV-Awareness ist bei den drei Sportarten spärlich und insofern schlecht bezahlt. Basketball konnte man in der jüngsten Vergangenheit bei Sport1 und Kabel eins sehen, Handball bei Sport1. Die Zweitverwertungsrechte bezahlten ARD und ZDF immerhin mit bis zu 250.000 Euro pro Saison. Servus TV ließ sich die Übertragung von 40 DEL-Spielen schätzungsweise 3,5 Millionen Euro pro Saison kosten. Dank – so wird kolportiert – Red Bull und Spender Mateschitz!

Verrückte Ideen oder innovative, nachhaltige Konzepte?

Erfolg für die Eishockey-Clubs kann nur eine Symbiose aus einer einzigartigen sportlichen Geschichte sein, die ein Sponsor für sich als Storytelling aufgreift, ausbaut und wirtschaftlich nutzen kann. Kürzlich sorgten „Breaking News“ aus Frankfurt deutschlandweit für Schlagzeilen über das dort beheimatete DEL2-Team: Die Löwen Frankfurt unterschrieben einen Vormietvertrag mit der Katz Group für „TheDome“, der Name einer Multifunktionsarena, die mit 23.000 Plätzen die größte Europas werden soll. Avisierter Standort ist am Flughafen! Um die Aufstiegspläne in die höchste Spielklasse für den angedachten Ankermieter zu forcieren, winkt der kanadische Immobilienkonzern mit einem satten Sponsorship und Wettbewerbsvorteilen.

Stefan Krämer, geschäftsführender Gesellschafter der Löwen Frankfurt ist begeistert:

„... Dieser für uns äußerst großzügige Mietvertrag ist einmalig in der Geschichte des deutschen Sports und zeigt, wie verbindlich TheDOME den regionalen Spitzensport unterstützen will. Mit diesem Mietvertrag ist die Zukunft der Löwen Frankfurt nachhaltig auf Jahre gesichert, da die Löwen sowohl mietfrei in der Arena spielen, als auch pro Jahr eine signifikante monetäre Unterstützung erhalten werden.“

Auch in München bewegt sich die Aufwärtsspirale: Der Grundstein für die Mehrzweckhalle SAP Garden, die ein Fassungsvermögen von 11.500 Zuschauern bietet und 100 Millionen an Baukosten verschlingt, wurde längst gelegt. Eigentümer wird die Red Bull GmbH sein. Der neue Superdome im Olympiapark wird voraussichtlich die Spielstätte der beiden Münchner Top-Clubs EHC Red Bull – DEL-Club – und der Basketballer vom FC Bayern München.

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