23. Juni 2022

OBI-Baumarkt ersetzt Prospekte durch App

Cover der letzten Ausgabe des OBI-Prospektes (Foto: OBI)

Neue Strategie fokussiert jüngere Zielgruppen und digitale Kundenbindung

Der OBI-Prospekt ist ab jetzt Geschichte: Das zentralgesteuerte Printmedium für Millionen Heimwerker wird durch die heyOBI App ersetzt. Die gilt zunächst für Deutschland und Österreich, die osteuropäischen Märkte folgen dieser Strategie sukzessive. Das Unternehmen hat reflektiert und passt sich mit der umfassenden App dem veränderten Konsum- und Informationsverhalten der Verbraucher an.

Über das Smartphone soll eine individualisierte Kundenansprache mit Beratung gekoppelt werden. Der in der App integrierte Katalog funktioniert dabei in Echtzeit. So können Promotions und Gewinnspiele nach Bedarf ausgesteuert werden. OBI hat mit der Einstellung der Prospekte allerdings einen hohen Kommunikationsbedarf mit seinen Kunden. So erklärt in der letzten Ausgabe OBI-CEO Sergio Giroldi diesen finalen Cut: „Der Stopp der Prospektwerbung ist ein konsequenter Schritt in der Digitalisierung unseres Geschäftsmodells. Wir bieten schon heute unseren Kunden mit heyOBI viel mehr, als ein Prospekt jemals leisten kann. Und das ist erst der Anfang.“

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Rabattprogramme sind ausgeprägter Bestandteil bei der Kundenbindung (Foto: OBI)

Auch der Aspekt der Nachhaltigkeit kommt im Statement des Top-Managers nicht zu kurz: „Das wir mit der Umstellung unserer Kommunikation viel Papier und damit einhergehend Energie, Chemie, Holz und Wasser sparen, ist zudem ein verantwortungsvoller und nachhaltiger Schritt im Sinne der Umwelt.“ Natürlich spart OBI mit dem Switch in ein digitales Format zudem jede Menge Geld, was natürlich unerwähnt bleibt…

Smarte Digitalisierung fördert mehr Kundennähe

Bisher haben sich bereits mehr als drei Millionen Kunden für die App registriert. Im Gegensatz zum Prospekt finden die Heimwerker hier jede Menge Inspiration und Anleitungen für neue Projekte rund um Heim und Garten, individuelle Sofortrabatte, einen Pflegekalender für Grünpflanzen sowie smarte Funktionen wie den Produktscanner oder einen Markt-Navigator. Der Clou: Bereits vor dem Gang in den Baumarkt kann ein Kunde sein Projekt auf einer digitalen Pinnwand anlegen. Dieser hat dann zwei Optionen: Über die App Kontakt zur Beratung durch das Serviceteam aufnehmen oder Beratung im Markt vor Ort buchen. Mit der Digitalisierungsoffensive, die auch den Ausbau der Website und eine intensivere Bespielung der Social Media-Kanäle beinhaltet, möchte OBI gezielt jüngere Zielgruppen ansprechen und binden.

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Die OBI-App bietet direkte Kommunikation zwischen Kunde und Berater (Foto: OBI)

Unabhängig vom Verzicht auf Papierprospekte hat OBI mit dem Burda-Verlag kürzlich ein Printprodukt vorgestellt, das in einer Auflage von über einer Million produziert werden soll. Dabei handelt es sich um ein umfassendes Kundenmagazin mit dem Titel „Alles Machbar“. Angedacht sind zwei Ausgaben pro Jahr.

Schon gewusst? OBI gehört mehrheitlich Tengelmann aus Mülheim an der Ruhr

Gegründet wurde OBI 1970 in Hamburg. Den Firmennamen kaufte einer der Gründer, Manfred Maus, französischen Geschäftsleuten ab, die im Nachbarland einen Baumarkt mit entsprechendem Namen betrieben. Der Preis damals: umgerechnet 460 Euro! Den Pionier begeisterte dieser Name, weil er französisch wie „Hobby“ ausgesprochen wird. Konsequenz daraus: Bis heute dürfen keine Märkte unter dem Namen OBI in Frankreich eröffnen, so ein Teil des damaligen Deals.

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Der digitale Heimwerkermarkt (Foto: OBI)

OBI gehört heute zu den europaweit größten Baumarktunternehmen und ist hier Marktführer in Deutschland. Mit Stand 2021 betreibt die OBI Group Holding GmbH mit Sitz in Wermelskirchen, Nordrhein-Westfalen, 654 Märkte in 11 Ländern, davon 354 in Deutschland. Größter Gesellschafter ist die Unternehmensgruppe Tengelmann mit 74,23%. Mit der Veröffentlichung von aktuellen Zahlen tut sich OBI schwer: So soll in 2015 mit 46.000 MitarbeiterInnen ein Umsatz von 6,7 Milliarden Euro erzielt worden sein.

Beim nach Umsatz gestaffelten Bonusprogramm zeigt sich OBI bei seinen Kunden generös: Wer beispielsweise über 5.000 Euro p.a. einkauft, erhält 10% Rabatt.

Schrammen im Image

Zwei Skandale blieben in der öffentlichen Wahrnehmung hängen: 2013 erhielt die Baumarktkette einen dicken Rüffel vom TÜV Rheinland, weil Kunden über Jahre durch missbräuchlich verwendete Prüfsiegel bei sicherheitstechnisch heiklen Geräten getäuscht wurden. Im selben Jahr konnte hagebau aus Unzufriedenheit der Franchise-Nehmer gegenüber der Unternehmenszentrale 18 OBI-Märkte abwerben und für sich gewinnen. Ein millionenschwerer Verlust in der Metropolregion München, an dem das OBI-Management zu knabbern hatte.

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