4. Dezember 2021

Optimale Symbiose zwischen Handwerkskunst und Kreativität

Foto: DKSStyle | Shutterstock

Bei der französischen Premiummarke Hermès hat Qualität seit über 150 Jahren ihren luxuriösen Preis

Hermès gehört zu den globalen Bluechips für ganz besonderen Lifestyle und Mode. Das Unternehmen mit Sitz in Paris positioniert sich unter dem Leistungsversprechen „Zeitgenössische Handwerkskunst seit 1837“. Laut eigener Aussage des Unternehmens ist der zweigleisige Ansatz seit sieben Generationen konstant geblieben: Sorgfältige Arbeit der Handwerkskünstler und Lebensstil der Kunden verbinden. Dabei beinhaltet die Philosophie, „dass man gesellschaftlichen Entwicklungen und Anforderungen eine durchgängige, achtsame Aufmerksamkeit entgegenbringt“. Im Gegensatz zu Wettbewerbern scheint sich das Unternehmen mit seinen Produkten weiterhin konsequent elitär zu positionieren und möchte sich nicht in für die breite Öffentlichkeit öffnen.

Die Kollektion umfasst ca. 50.000 Produkte, von denen halbjährlich zwei Drittel aktualisiert werden. Dabei haben die Boutique-Manager bei der Order größte Freiheit. Ziel ist es, regional auf die Wünsche der Kunden einzugehen und nicht „von oben“ zu bestimmen. Nicht nur die Kunden, auch die Mitarbeiter, scheinen das zu honorieren: Denn im Bewertungsportal kununu.com honoriert das Team den Arbeitgeber mit überdurchschnittlichen Bewertungen. Insbesondere der Respekt zwischen Vorgesetzen, Mitarbeitern und Kunden sowie die besondere Atmosphäre des Hauses wird geschätzt.

Mit viel Tradition und familiären Prinzipien in die Moderne

Bis Ende des 19. Jahrhunderts konzentrierte sich Hermès auf maßgeschneiderte Pferdegeschirre und Sättel, die aufgrund herausragender Qualität weit über Paris hinaus für die Eliten in ganz Europa gefertigt wurden. Die Kompetenz im Umgang mit dem schwierigen Material Leder ist daher einzigartig, wurde kontinuierlich ausgebaut. Insofern lag es nahe, intelligent zu diversifizieren: einerseits in die Produktion von schwierig herzustellenden Lederartikeln wie Taschen, Koffer, Geldbörsen. Weiterhin galt das Credo, nur hochwertigste Materialen zu verwenden und diese dann durch feingliedrige Bearbeitung als herausragendes Produkt monetär zu kapitalisieren. Andererseits begann Hermès die internationalen Kontakte auszubauen und neue Märkte zu aktivieren. Anfang des 20. Jahrhunderts integriert das Unternehmen ein in Europa unbekanntes Schließ- und Verschlusssystem – heute bekannt unter Reißverschluss – in zahlreiche Produkte.

Erfolgreiche globale Diversifizierung als elitäre Lifestyle-Marke

Erst 1925 entstehen sukzessive neue Produktlinien wie Bekleidung, Schmuck und Schuhe. 1949 wird die erste Krawattenkollektion vermarktet. Mitte der 1960er Jahre beginnt dann Schritt für Schritt die Erfolgsgeschichte der Damen-Kollektionen. Der Aufbau zur Weltmarke erfolgt ab 1978.

Foto: Sergey Bezgodov / Shutterstock

Heute ist der französische Luxusgüterkonzern an der Exchange Euronext börsennotiert. Die familiäre Aktionärsstruktur gewährleistet die Weiterführung der gelebten Philosophie. Die globalen Umsätze entwickelten sich laut „Statista“ von 2004 mit 1,33 Mrd. Euro auf gut 6,4 Mrd. Euro für das Jahr 2020. Innerhalb von 16 Jahren konnte das globale Wachstum kontinuierlich gesteigert werden – bis auf einen Ausreißer. Denn im Vergleich zu 2019 mit 6,883 Mrd. Euro Umsatz sank der Umsatz 2020 um gut 7%. Der Umsatzanteil für den Raum Asien-Pazifik betrug 2020 hierbei 3,75 Mrd. Euro. Der Schwerpunkt der Produktlinien liegt auf Parfümerie- und Lederwaren sowie im Bereich Accessoires.

Die weltweit wertvollste Luxusmarke ist Louis Vuitton mit einem Markenwert von 75,7 Mrd. US-Dollar. Auf Platz zwei folgt Chanel vor Hermès.

Verbraucher honorieren nachhaltige Unternehmens- und Produktstrategie

Qualität hat allerdings ihren Preis: Die günstigsten Damengürtel beginnen bei 450 Euro, steigern sich dann auf bis zu 1.000 Euro. Für die Mini-Damentasche „Verrou“ legt die Kundin beispielsweise 5.700 Euro auf den Tisch, die Preise für Schulterriemen starten bei 740 Euro. Die Tasche „Simone Hermès“ kostet 8.000 Euro.

Und was macht eine Hermès-Tasche so teuer? Jede Tasche wird von einem einzigen Handwerker erstellt. Für die Birkin Bag braucht es 40 Arbeitsstunden. Seit der Gründung von Hermès im Jahr 1837 werden alljährlich 200 neue Handwerker eingestellt, die intern aufwändig ausgebildet werden. Marketing-Strategie der Begehrlichkeit: Die kontinuierliche Wertsteigerung der Taschen resultiert in der Verknappung. Es ist ein gut gehütetes Geheimnis, wieviel Produkte von den Artikeln vorrätig sind, so dass die Kunden teils bestellen und über Monate auf die Lieferung warten müssen.

BusinessNews365.de berichtet über aktuelle Themen rund um den Wirtschaftsstandort Deutschland. Immer im Blick: Europa und die Globalisierung! Mit News, Reportagen, Interviews und Videobeiträgen aus den Bereichen Finanzen, Lifestyle, Sport, Medien & Wirtschaft.

crossmenu