16. Dezember 2021

Product Placement der anderen Art – Peloton Bike bereitet Mr. Big ein jähes Ende

Foto: Peloton Media Kit

UPDATE 17.12.: siehe unten

Das verfrühte Ableben einer beliebten Figur in einer der meisterwarteten Serienfortsetzungen der letzten Jahre schockt Fans weltweit. Der vermeintliche Übeltäter? Ein Hightech-Fitnessgerät nebst attraktiver, virtueller Trainerin. Die Konsequenzen reichen weit über das Serienuniversum und dessen Fans hinaus, denn der Hersteller des besagten Heimfitness-Equipments wird in der Episode klar benannt und prominent thematisiert. Was eine hervorragende Product Placement-Gelegenheit hätte sein können, wird stattdessen zu einer empfindlichen Breitseite für den Aktienkurs des hochkarätigen Unternehmens.

17 Jahre ist es her, dass die letzte Folge von Sex and the City ausgestrahlt wurde. Die HBO-Erfolgsserie, die auf dem gleichnamigen Buch von Candace Bushnell basiert, dreht sich rund um die New Yorker Sex-Kolumnistin Carrie Bradshaw (Sarah Jessica Parker), ihre Freundinnen und – der Titel deutet es wenig subtil an – ihr aller illustres Liebesleben. Ein Abschied für immer war es 2004 nicht. Zwei Kinofilme folgten in 2008 bzw. 2010 (hier scheiden sich zwar die Geister, ob diese der Serie gerecht werden konnten, nichtsdestotrotz war Teil 1 eine der bislang erfolgreichsten Kinoauswertungen einer TV-Serie) und dank DVD und Streamingdiensten konnten und können Fans die über sechs Staffeln verlaufende emotional-absurde Achterbahn immer wieder aufs Neue durchleben.

Serienpremiere schockt Fans… und Peloton.

Als 2020 dann das Reboot And Just Like That… beim Video-on-Demand-Anbieter HBO Max angekündigt wurde, war die Erwartungshaltung gigantisch. So überrascht es auch nicht, dass HBO mit der Veröffentlichung der ersten zwei Episoden am 9. Dezember einer der erfolgreichsten Serienpremieren seiner Geschichte erlebte. In Deutschland wird And Just Like That… auf Sky zum Streaming angeboten. Klar ist: Es ist wieder ein breites, internationales Publikum, das den zwar in die Jahre gekommenen, aber nicht minder stylishen Protagonistinnen nun von Woche zu Woche folgen wird. Dieses Publikum hatte in der letzten Woche am Ende der ersten Folge einen schweren Schicksalsschlag zu verarbeiten: John James Preston alias Mr. Big (Chris Noth), der charismatische Ehemann von Protagonistin Carrie, absolviert eine intensive Workout-Session auf seinem Peloton-Bike unter Anleitung seiner virtuellen Trainerin Allegra (gespielt von der tatsächlichen Peloton-Startrainerin Jess King). Auf dem Weg zur Dusche erleidet er einen Herzinfarkt… und stirbt in den Armen seiner fassungslosen Frau. Die Fans sind geschockt. Und wer noch? Das PR-Team von Peloton. Was in der Folge als übliches, begrüßenswertes Product Placement begann – es werden durchgängig witzige Anspielungen auf das Bike und die Trainerin gemacht – wird final zum Alptraum. Vom Hightech-Lifestyle-Equipment zur Todesmaschine – auf Social Media geht die Post ab.

Noch radelt Mr. Big auf dem Hightech-Gefährt... (Screenshot YouTube HBO Max)
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Eine von vielen Erwähnungen auf Twitter... natürlich immer mit einem Augenzwinkern.

Peloton reagiert, die Erste.

Das fiktive Workout mit Todesausgang hatte sehr reale Folgen für Peloton. Über Nacht fiel der Aktienkurs des New Yorker Heimfitness-Unternehmens um ganze 11 Prozent.

Die Reaktion aus dem Hause Peloton fiel sachlich-verkrampft aus, mit einer medizinischen Anamnese der Serienfigur basierend auf deren „extravagantem“ Lebensstil. Tenor: Sport allein kann gegen einen ansonsten ungesunden Lebensstil sowie erbliche Prädisposition nichts ausrichten. Kurz: Wir haben ihn nicht umgebracht. Dieser etwas ungelenke, spaßbefreite Umgang mit der Thematik machte Peloton auch weiterhin zum beliebten Ziel von Spott und Häme online.

Peloton reagiert, die Zweite.

Peloton fängt sich nach dieser zunächst wenig sympathischen, eher unfreiwillig komischen Erstreaktion und liefert nach weniger als 48 Stunden eine humorvolle Gegenoffensive mit einem Clip, der den totgeglaubten Mr. Big zusammen mit seiner Trainerin „Allegra“ vor dem Kamin zeigt. Titel: He’s alive. Mr. Big lebt, sein Tod war nur vorgetäuscht, um einen Neuanfang mit der durchtrainierten Dame zu wagen. Mit seiner Produktionsfirma Maximum Effort und selbst als Sprecher mit an Bord: Schauspieler Ryan Reynolds, der für seine selbstironischen Werbeauftritte und Promo-Aktionen bekannt und ein absoluter Sympathieträger ist.

„The Big Question“: War das so geplant?

Laut W&V heißt es offiziell, dass Peloton zwar gewusst habe, dass das Bike sowie auch die Trainerin Jess King eine Rolle in der Serie spielen würden, jedoch seien die genauen Umstände und insbesondere der Serientod im Zusammenhang mit dem beliebten Heimfitnessgerät nicht bekannt gewesen. Auf Twitter wird jedoch spekuliert, dass das Ganze keine böse Überraschung für Peloton gewesen sei, sondern abgesprochen und ein durchkalkulierter PR-Coup sei. Möglich, aber fraglich, da die erste Reaktion des Unternehmens ziemlich unelegant und der Knick im Börsenkurs doch empfindlich ausfiel. Spontane „Kamikaze“-Aktionen seitens Ryan Reynolds wiederum sind keine Ausnahme, daher ist es durchaus denkbar, dass dieser sich kurzfristig einklinkte, um für Peloton das Ruder rumzureißen. Geplant oder nicht: Der humorvolle, selbstironische Clip kommt an und sicher wäre es nicht die schlechteste Idee für Peloton, sich auch weiterhin in Sachen PR Support von Reynolds und Maximum Effort zu holen.

Das Forbes Magazine berichtet indes, dass die PR-Eskapade mit And Just Like That Pelotons geringstes Problem sei. Die durch die Show verursachte Delle sei fast wieder ausgebügelt – aber der Kurs sei auch schon vorher auf dem absteigenden Ast gewesen. Nach dem pandemiebedingten Boom von Heimfitness-Equipment sonnte sich Peloton 2020 im Erfolg. Mittlerweile sind die Fitnessstudios wieder geöffnet und somit sind schon seit einigen Monaten die Verkaufszahlen und auch die Abonnements (diese sind wichtiger Bestandteil des Systems Peloton) rückläufig. Wenn man einen Aktienkurs doch auch so einfach wiederbeleben könnte wie eine totgeglaubte Serienfigur.

UPDATE 17.12.: Das PR-Team von Peloton muss sich dieser Tage als sehr leidensfähig erweisen. Gestern wurde bekannt, dass Schauspieler Chris Noth, dessen vermeintlich Peloton-induzierter Serientod gerade noch mit einem witzigen Clip gekontert wurde, sich Vorwürfen der sexuellen Nötigung und Vergewaltigung stellen muss. So berichtet beispielsweise CNN, dass zwei Frauen unabhängig voneinander gerichtlich gegen Noth vorgehen wollen aufgrund von Vorfällen, die sich 2004 respektive 2015 ereignet haben sollen. Noth streitet diese Vorwürfe rigoros ab. Der Instagram-Blog Diet Prada, der sich vorwiegend mit Missständen in der Fashion- sowie Film-/Fernsehbranche beschäftigt, verweist auf Schlagzeilen aus dem Jahr 2009: Model Beverly Johnson, die in den frühen 90ern eine Beziehung mit Noth hatte, warf dem Schauspieler vor, ihr damals sowohl physische als auch psychische Gewalt angetan zu haben. Rechtliche Folgen für Noth blieben seinerzeit aus. Peloton hat den Werbeclip mit Noth umgehend offline genommen und gegenüber Deadline folgendes Statement abgegeben: Man nehme jeden Vorwurf sexueller Übergriffe ernst und habe zum Zeitpunkt der Produktion keine Kenntnis davon gehabt. Bis die Angelegenheit geklärt sei, habe man den Clip aus allen Promotionkanälen entfernt.

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