19. Dezember 2021

Sportwettenumsatz mit 230 Mrd. US-Dollar achtmal höher als deutscher Verteidigungsetat

Foto: Interwetten

Aktien von bet-at-home.com, Evolution AB und Entain plc im Blickpunkt

Von 2014 bis 2019 ist der Umsatz auf dem deutschen Sportwettenmarkt von ca. 4,5 Mrd. Euro auf ca. 9,3 Mrd. Euro gestiegen. Bedingt durch Corona sank der Umsatz 2020 auf rund 7,8 Mrd. Euro. Aber die Branche boomt gewaltig, befeuert durch zahlungskräftige Sponsorships mit fast allen europäischen Profi-Sportclubs und unter Mithilfe von bekannten Testimonials für die Marken. Aktuell stellt sich DFB-Weltmeister Lothar Matthäus als Markenbotschafter aufmerksamkeitsstark in den Dienst von Interwetten aus Österreich. Dieser traditionsreiche Buchmacher aus Österreich sponsert darüber hinaus in Deutschland die TSG 1899 Hoffenheim und ist Partner vom Deutschen Ski Verband. Der ehemalige Star von Bayern München und Inter Mailand hat die Seiten gewechselt – bis vor kurzem promotete er als Gallionsfigur den skandinavischen Buchmacher LeoVegas.

Sportwetten wurden noch vor einigen Jahren als Schmuddelkind betrachtet, heute sind sie mitten in unserer Gesellschaft angekommen. Die Umsätze der Anbieter, von denen viele ihren Sitz in den Steueroasen Malta, Gibraltar oder auf der Isle of Man haben, steigern sich alljährlich auf immer wieder neue Rekordsummen. Gut 50% der Einsätze in Deutschland, in summa ca. neun Mrd. Euro, werden von den Zockern in Fußball investiert: Champions-League, Bundesliga, 2. und 3. Liga, DFB-Pokal… Viele wetten aber auch verrückt: Welches Team schießt die erste Ecke? Welche Mannschaft wird mit der ersten gelben Karte bestraft? Schießt Robert Lewandowski auch ein Tor? Und… Und… Gelingt dann dem polnischen Goalgetter von Bayern München tatsächlich ein Tor, kann man seinen Einsatz von beispielsweise 100 Euro problemlos verdreifachen. Tennis liegt in der Hitliste auf Platz zwei mit 17% der Wetten in Deutschland, gefolgt von Handball mit 7% und Basketball mit 6%.

Online-Glücksspiel ist ein globales Big Business

Mehr als 400.000 Menschen in Deutschland sind nach Erkenntnis der Bundesanstalt für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) spielsüchtig oder extrem gefährdet. Weltweit am meisten ausgeprägt ist das Wett-Glücksspiel in China, vor Spanien, Polen und Großbritannien. 

Das Marktvolumen für Casinos und Online-Glücksspiel betrug im Jahr 2021 weltweit ca. 231 Mrd. US-Dollar. Zum Vergleich: Laut Wikipedia hatten die USA 2008 weltweit den höchsten Verteidigungsetat mit 607 Mrd. US-Dollar, das entsprach 41,5 % der weltweiten Ausgaben insgesamt. Mit 46,8 Mrd. US-Dollar belegte Deutschland im Ranking Platz sechs, dicht gefolgt von Japan mit 46,6 Mrd. US-Dollar. Australien lag mit Ausgaben für Kriegsgerät in Höhe von 18,4 Mrd. US-Dollar auf Platz 15 im globalen Ranking.

Der deutsche Verteidigungshaushalt liegt in 2021 bei festgelegten 46,93 Mrd. Euro. Rechnet man für einen US-Dollar einen Gegenwert von 89 Cent, dann ist der weltweite Umsatz, der in Casinos und bei Online-Glücksspiel erzielt wird, in einem Jahr etwa fünfmal so hoch wie die Ausgaben für Rüstung der Bundesregierung.

Börsennotierte Sportwetten- und Glücksspielanbieter im Vergleich:

  1. Bet-at-home

Das Onlineportal wurde 1999 im oberösterreichischen Wels von Jochen Dickinger und Franz Ömer gegründet. Seit März 2000 ist die Website in Betrieb. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen fünf Mio. registrierte Kunden. Im Geschäftsjahr 2018 wurden den Kunden 411.000 Events (teils bis zu 30 unterschiedliche Wetten pro Event möglich) in mehr als 80 Sportarten angeboten. Der Konzern beschäftigt 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Sportwetten-/Glücksspielanbieter hat Gesellschaften in Deutschland, Österreich, Malta und Gibraltar. Sitz der Holding ist in Düsseldorf. Das Unternehmen hat Lizenzen für Sportwetten, Casino und Poker. Der Rohertrag im Geschäftsjahr 2018 betrug 143,4 Mio. Euro, bei einem Umsatz von gut 3,2 Mrd. Euro.

Aktienkurs (Börse Frankfurt, Marktsegment Prime Standard) am 17. Dezember 2021: 13,08 Euro (plus 2,03%)

Im Verlauf eines Jahres hat sich der Aktienkurs von bet-at-home.com mehr als halbiert.
In der Fünfjahresbetrachtung hat die Aktie von bet-at-home.com über 84% ihres Wertes verloren.

2. Evolution AB

Das schwedische Unternehmen firmierte vormals unter dem Namen Evolution Gaming Group AB. Die Gesellschaft entwickelt im Rahmen von Internet-Dienstleistungen vollumfänglich Business-to-Business-Lösungen für den Betrieb von Casino-Plattformen, die online und live betrieben werden. Tochtergesellschaften sind die NetEnt, Big Time Gaming und Pty Ltd. Die Unternehmensgruppe beschäftigt weltweit über 10.000 Mitarbeiter. Sie ist u.a. an der US-Börse Nasdaq gelistet. Gemäß Quartalsbericht vom 30. September 2021 konnten im dritten Quartal Umsätze in Höhe von 276 Mio. Euro verbucht werden. Das entspricht einer Umsatzsteigerung gegenüber dem Vorjahresergebnis von 97,16%.

Aktienkurs am 17. Dezember 2021 (Börse Stuttgart): 114,04 Euro (plus 2,68%)

Wertsteigerung der Aktie von über 38% innerhalb eines Jahres.
Family & Friends, die seit Börsenstart mit an Bord sind, haben Grund zur Freude: Die Aktie hat sich innerhalb von fünf Jahren um mehr als 2.000% gesteigert.

3. Entain plc

Die ehemalige GVC Holdings firmierte in Entain plc um und betreibt Sportwetten und Glücksspiele. Sie ist heute einer der weltweit größten Sportwetten- und Glücksspielkonzerne, aktiv im Online- und stationärem Geschäft. Die Gesellschaft wurde im Jahre 2004 unter dem Namen Gaming VC Holdings in Luxemburg gegründet. Das Unternehmen ist heute an der Börse London notiert und Bestandteil des FTSE 100 Index. Unternehmenseigene Marken sind die Portale bwin, Coral, Ladbrokes, Eurobet, PartyPoker und Sportingbet.

Weltweite Aktivitäten der Entain-Group (Chart: Auszug aus Präsentation Investor Relations).

Aktienkurs am 17. Dezember 2021: 18,60 Euro (plus 1,64%)

Grund zur Freude bei den Aktionären: ein Plus von knapp 50% innerhalb eines Jahres.
Innerhalb von fünf Jahren hat sich der Aktienkurs verdreifacht.

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