18. Dezember 2021

Sylvester Stallone – unterschätztes Genie?

Foto: Copyright Courtesy Galerie Gmurzynska/Art Work Sylvester Stallone

Grober Actionheld, genialer Drehbuchautor, erfolgreicher Produzent, gescheiterter Gastronom und feinsinniger Kunstmaler

Seit beinahe fast drei Generationen scheiden sich an Sylvester Stallone die Geister. Die Filmlegende polarisiert: Für die einen, seine Fans, ist der gebürtige New Yorker seit über 40 Jahren der unangefochtene Actionheld auf der Leinwand und im TV. Als der „Italian Stallion“, der Boxer „Rocky Balboa“ mit italienischen Wurzeln aus den Slums von Chicago, der sich mit seinem großen Kämpferherzen den amerikanischen Traum erfüllt und Boxweltmeister im Schwergewicht wird. Oder in der Charakterrolle des „John Rambo“, der, ähnlich wie Rocky, charakterlich eher einfach gestrickt ist, mit seiner Kraft und unbändigem Willen bei der Suche nach Gerechtigkeit aber niemals aufgibt und alle Bösewichte eliminiert, die sich ihm in den Weg stellen.

Alle anderen finden ihn und seine Filme langweilig, weil zu sehr eindimensional – eine Aneinanderreihung von leeren Dialogen, gepaart mit tumben Actionszenen, die Gewalt verherrlichen… Im Zentrum der Handlung immer Stallone selbst – inszenierter Personenkult inklusive übertriebener Heldenverehrung. Dass „Sly“, so sein Spitzname, auch bei den wildesten Actionszenen keine Miene verzieht, wird ihm oft zum Vorwurf gemacht. Dabei ist der versteinert wirkende Gesichtsausdruck nur natürlich, denn durch den Einsatz einer Geburtszange wurden seine Gesichtsnerven erheblich beschädigt. Daraus resultiert bis heute eine dauerhafte Muskellähmung der unteren Gesichtshälfte, weswegen ihm seine Lehrer von einer Schauspielkarriere abrieten…

Stallone malt aus Leidenschaft

Aber Stallone ist vielschichtig! Man wird ihm nicht ansatzweise gerecht, wenn man ihn ausschließlich nach den schauspielerischen Leistungen beurteilt. Denn tatsächlich ist die Hollywood-Ikone mit unterschiedlichsten Talenten gesegnet. Und dabei scheint – im Vergleich mit anderen Fähigkeiten – das schauspielerische Talent nicht unbedingt das wertvollste zu sein. Was die wenigsten wissen: Malen ist die Passion des Schauspielers. Wer jetzt glaubt, dieses Hobby hat er aus PR-Gründen erfunden, der täuscht sich gewaltig. Denn gemalt hat der 75-jährige Stallone bereits vor seiner Hollywoodkarriere. Und macht das „gekonnt“, so die Kritiker, voller Leidenschaft bis heute! Seine Themen auf der Leinwand kreisen um Spiel, Träume, Fantasie, harte Realitäten, Glaube und Tod. Auch als Maler beschäftigen ihn seine Figuren „Rocky“ oder „Rambo“ – die er gleichermaßen als Helden und Loser künstlerisch inszeniert.

Als Kämpfer wie Rocky im Olymp der Top-Stars

Um den Menschen Stallone zu verstehen, sollte man die tatsächliche Rocky-Story kennen: Mitte der 70er-Jahre im letzten Jahrtausend schaut sich Stallone den WM-Titelkampf um die Krone im Schwergewicht zwischen Muhammed Ali gegen den wenig bekannten Herausforderer Chuck Wepner im Fernsehen an. Der Außenseiter hält dem Champion wider Erwarten stand, knockt Ali in der neunten Runde sogar fast aus. Stallone, der sich mehr schlecht als recht in Hollywood als Schauspieler in Erotikfilmen durchschlägt, ist von dem Ereignis derart fasziniert, dass er daraus eine neue Story kreiert. Mit seinem ersten Drehbuch geht der damals 28-Jährige monatelang hausieren: Aber kein Studio, kein Produzent interessiert sich für Rocky! Bis die Produktionsgesellschaft United Artists Interesse zeigt. Deren Angebot an Stallone: 75.000 US-Dollar für das Copyright an der Story! Auf die Frage, wer laut Stallone die Hauptrolle spielen soll, antwortet dieser aus vollster Überzeugung mit „Ich“. Auf die nächste Frage der verdutzten Produzenten, wer denn die Regie führen soll, antwortet Stallone wieder mit „Ich“. Schließlich sollen ihm nur für das Drehbuch 300.000 US-Dollar geboten worden sein. Aber Stallone bleibt hart: entweder oder! Schließlich einigen sich die Parteien darauf, dass Stallone die Hauptrolle kriegt – für ein Honorar von 20.000 US-Dollar, eine Wochengage von 620 US-Dollar und eine Beteiligung von 10% am Einspielergebnis des Kinofilms. Für Stallone war dieser vermeintlich schlechte Deal ein Glücksgriff – der Rest ist bekannt… „Rocky“ wurde 1977 für zehn Oscars nominiert, erhielt drei. Stallone war in der Filmgeschichte nach Charlie Chaplin und Orson Welles erst der dritte Protagonist, der gleichzeitig als Hauptdarsteller und Drehbuchautor mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. Die Investitionen in den Film beliefen sich auf gut eine Mio. US-Dollar. Bis heute hat der Blockbuster über 117 Mio. US-Dollar eingespielt!

Geplatzter Traum vom globalen Gastronomie-Imperium

Aber auch außerhalb des Film-Business ist Stallone aktiv: Mit Bruce Willis, Demi Moore, Jackie Chan und Arnold Schwarzenegger gründete er 1991 die Restaurantkette Planet Hollywood. Mitte der 1990er Jahre hatte diese global aktive Kette einen Börsenwert von ca. 3,5 Mrd. US-Dollar. Zwei Pleiten haben allerdings den Traum vom erfolgreichen Franchise-Unternehmen platzen lassen!

Künstlerische Seele hinter harter Action

Und was das Malen angeht? Stallone präsentiert inzwischen seine Werke in Ausstellungen weltweit. Anfang Dezember war er persönlich am Rande des Ruhrgebiets, im Hagener Osthaus Museum, um seine Ausstellung „Sylvester Stallone. Best of Life“ zu präsentieren.

Foto: Copyright Courtesy Galerie Gmurzynska/Art Work Sylvester Stallone

Diese Retrospektive umfasst 53 Original-Gemälde, darunter bis dato unbekannte Arbeiten aus den 1960er Jahren bis hin zu großformatigen Gemälden und Selbstportraits aus der jüngeren Gegenwart. In den 1970er-Jahren schuf er düstere, ausdrucksstarke Werke, in denen er beispielsweise den Tod seiner Managerin oder weitere Schicksalsschläge verarbeitete. In dieser Zeit bevorzugte Stallone illustrative Linien, gepaart mit grellen Farben.

Ernstzunehmende Kunst

Er selbst, so die Hollywood-Ikone auf der Pressekonferenz am 4. Oktober zu seiner Kunst, „…sei immer dann besonders gut, wenn es ihm schlecht gehe…“. Denn: „Wer will in einer guten Stimmung an einem schönen Tag schon malen?“

Museumsdirektor Tayfun Belgin charakterisiert die Werke als „farbkräftig, formkräftig, bisweilen auch mit Übertreibung… Eine Art figurativ-expressiver Stil.“ Inspiriert von teils Surrealismus, Expressionismus und abstrakter Malerei.

Im Gegensatz zum Filmemachen, so Stallone, „…wo man immer jemanden oder etwas für den Misserfolg verantwortlich machen kann, kann man sich als Maler nur auf sich selbst verlassen.“

Und genau hier, an diesem Punkt, ist die Brücke zum Boxen: Der Kämpfer steht ganz alleine im Ring, es gibt bei einer Niederlage keine Ausreden. Und den Sieg über den Gegner hat sich der Sieger ganz alleine erkämpft!

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