3. Dezember 2021

Wird der E-Yuan mit den olympischen Winterspielen eingeführt?

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China reglementiert Finanzströme und ist gleichermaßen innovativ

Die kommunistische Partei Chinas ist der allumfassende Regulator von Wirtschaft, Finanzen, Gesellschaft und öffentlichem Leben in der nach den USA größten Volkswirtschaft der Welt. Der Regierung waren Kryptowährungen längst ein dicker Dorn im Auge. Deshalb hatte die Zentralbank der Volksrepublik Ende September 2021 den Handel mit Bitcoin, Etherium, Ripple, etc. untersagt. Das gilt auch für das Mining digitaler Währungen. Aus Sicht der Funktionäre war diese drastische Maßnahme dringend notwendig, um stetig wachsende illegale Aktivitäten zu unterbinden.

Was konkret gemeint ist? Mit Kryptowährungen werden in China Geldwäsche, Schwarzmarkt-Geschäfte und Lösegeldzahlungen bei Cyber-Kriminalität durchgeführt. Diese Regelung beinhaltet auch ausländische Anbieter. Die Kryptobörsen brachen daraufhin weltweit um gut 10% ein. China hat konsequent das getan, was andere Regierungen hinausschieben. Denn die Finanzierung krimineller Aktivitäten mit digitalen Währungen ist ein weltweites Problem!

Wirtschaftswachstum ist gut – aber nur mit flächendeckender Kontrolle

Der Kampf gegen die Kryptowährungen startete bereits 2013 mit dem Verbot für Banken, Bitcoin verwenden zu dürfen. 2017 wurden Kryptobörsen gänzlich verboten – allerdings mit wenig Erfolg, weil die Chinesen auf ausländische Handelsplätze auswichen. Insbesondere das inflationäre Schürfen entsprechender Währungen in vielen chinesischen Regionen sollte aufgrund des immensen Stromverbrauchs der Rechenzentren gestoppt werden. Denn in China sind die Strompreise im Vergleich zum Weltmarkt günstig, was zur Folge hatte, dass hier teilweise 75% der weltweit geschürften Menge produziert wurde. Wesentlicher Grund für das Verbot dürfte aber sein, dass die Zentralregierung in Peking auf digitale Zahlungstransfers keinen Zugriff hatte, also nicht wusste, wer wieviel digitales Kapital hat und mit wem er Geldgeschäfte betreibt. Die Regierung möchte natürlich mindestens wissen, wer wieviel Kapital angehäuft hat. Und – im Zweifelsfall – Zugriff auf einheimische Privat- und Firmenkonten haben.

Dass China seit Jahren an einer eigenen digitalen Währung arbeitet ist kein Geheimnis. Der „E-Yuan“ soll im Land mit der größten Digitalisierung der Welt mittelfristig offizielles Zahlungsmittel werden. Während Europa diskutiert und zaudert, zeigen sich die Chinesen zielstrebig. Insbesondere hilft dabei die beispielhafte technologische Infrastruktur, die Chinas Fintech-Bluechips, wie beispielsweise die E-Commerce-Plattform Alibaba, aufgebaut haben. Digitales Bezahlen ist durch die hohe Marktdurchdringung innovativer Apps bereits weit ausgeprägt, vergleichbar mit Skandinavien. Laut focus.de sprechen die Downloads von Finanz-Apps Bände: Zwei Milliarden wurden in China auf Smartphones geladen. In Europa und den USA werden gerade mal 400 Mio. Fintech-Apps genutzt. 

E-Yuan integrativer Bestandteil chinesischer Finanzmarktstrategie

Die Corona-Pandemie mit einem Boom beim digitalen Bezahlen wirkte für China wie ein Katalysator bei der Markteinführung des E-Yuan. Laut Expertenmeinung sollen nun drei prestigeträchtige Projekte strategisch miteinander verknüpft werden. Es ist damit zu rechnen, dass digitales Bezahlen mit Chinas eigener digitaler Währung bis zu den olympischen Winterspielen Anfang 2022 realisiert wird. Darüber hinaus möchte China den Wirtschaftsraum der Seidenstraße für den E-Yuan gewinnen. Im Gegensatz zu den anderen digitalen Währungen wie Bitcoin & Co, wird der E-Yuan nicht auf einer Blockchain produziert. So soll Chinas Notenbank das digitale Zentralbankgeld über eigene Rechenzentren zunächst an heimische Banken ausgeben, bevor die Kunden dieser Banken das digitale Geld abrufen können. Motto: Gesteuerte Marktwirtschaft ist zwar gut – aber nur mit staatlicher Kontrolle!

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